Dienstag, 10. Februar 2015

Oft tabuisiert und verdrängt: Die Angst - Teil 5


Hallo liebe Leute...an diesem neuen Tag...

Nach einer erholsamen Nacht möchte ich mich heute in einem weiteren Teil den Ängsten in uns....deren Entstehung....widmen.
(Angst - Teil 5)

Wie nun kürzlich von einer lieben Freundin in einem Gespräch als Stichwort geliefert...
...etwas krass ausgerückt, werden Kinder während ihres Heranwachsens angepasst. Angepasst an gesellschaftliche Normen, unter direktem Einfluss der jeweiligen Eltern sowie eines Umfeldes.
Erziehung....als Wort klingt ... es aber auch nicht wirklich besser....
Nun gut.

In vorherigen Jahrzehnten...oder gar Jahrhunderten... war "Erziehung" aufgrund der gesellschaftlichen Rollenfestlegung zumeist Aufgabe der Mütter. Nehmen wir frühere Jahrhunderte, war die Arbeit von/durch Frauen (ausgenommen in ärmlichen Verhältnissen) sogar verpöhnt, dass Frauen arbeiten. Was da jedoch oft als "Erziehung" ablief...da würd man heutzutage jeden sofort ans Kreuz schlagen.
Im Zuge einer zunehmenden Emanzipation jedoch haben wir heute ein eher ausgeglichenes System.
Ich sage bewusst nur "eher"..., denn völlige Gleichberechtiung oder Gleichbeteiligung an der Erziehung gibt es nach wie vor nicht.
Letztens erwähnte ich, dass Kinder durch diese an sich logische Konstellation Eltern / Kind ... völlig abhängig sind. Zumindest emotional "im Knast"....sind.
Freilich kann ein 5-jähriges Kind auch nicht zu den Eltern meinen "Liebe Eltern, ich nehm mir jetzt eigene Wohnung und machs anders, besser als ihr"...
Also auch materiell Abhängigkeit.
Auch erwähnte ich, dass spätestens ab Eintritt Schule die Anforderungen der Anpassung an das Kind enorm werden.

Jeder weis doch - wenigstens von sich selbst her - dass irgendwann im Laufe dieses Heranwachsens dann der Moment eintritt, wo das Kind beginnt, seine Position zu vertreten.

Doch wie oft ist das so...?
Wie oft wird die Meinung des Kindes zumindest als kindlich - also nicht vollwertig - abgetan...? Ignoriert...?
Ein Lob an jene Eltern, wo das Kind immer das Recht hat, dies auch zu tun. Zu äußern. Und dies auch Umsetzung findet.
Zurückzukommen speziell auf Ängste, die nun aufgrund all des schon erläuterten Vorgeschehens definitiv vorhanden sind...
Wie oft hört das Kind diesen provokanten Satz: "Aber du musst doch keine Angst haben!". Oder die "Angst ist gleich wieder vorbei..."

WIE IN ALLER WELT KÖNNEN DIE ELTERN DIES EINFACH BEHAUPTEN???

Wäre das Kind nun schon erwachsen (und selbst die Erwachsenen haben aufgrund ihrer "Kindheitsgeschichte" oft schon nicht mehr den Mut, entsprechend eloquent zu entgegen...)....
...Dann würde das Kind vielleicht sagen: "Aber die Angst ist jetzt schon einmal da! Wie also kannst du sagen, ich muss keine Angst haben, anstelle mir zu helfen, eben keine zu haben?"


Oder vielleicht irgendein Gespräch am Mittagstisch mit versammelter Familie....? Und da fällt dem Kinde es ein, einen Gedanken aus seiner Sicht zu dem besprochenen Thema zu haben mit in etwa gewählten Worten: "Liebe Mama, lieber Papa....ich glaube, ihr irrt hier!" Oder gar .... "ich könnte/würde dies mit Sicherheit besser machen..."
Oh jaaa..... bei so manchem Tisch wäre ich da gerne eine Fliege an der Wand und würde DIE Gesichter der Eltern sehen... Was da abgeht!


In meinem Fall: damalige "erbauende Entgegnungen" möchte ich Euch hier jetzt lieber ersparen!
Das Kind schweigt also zumeist. Beginnt spätestens bei solchen unbedachten / unbewussten Ansagen die Angst in sich hinein zu fressen, zu vergraben, verdrängen....
....denn es erhält von Aussen das unmissverständliche Signal: Angst und Anderes ist nicht erwünscht!!!

Nur warum tun Eltern erwiesener Maßen solche "Hilfeschreie" des Kindes möglichst schnell ab???
Weil sie - und wenn auch nur unbewusst - durch die Angst des Kindes an ihre eigenen Ängste erinnert werden! Und sie wissen: die waren unangenehm! Und die wollen sie schnell abwürgen und selbst nichts damit zu tun haben!
Oder mit dem sehr bekannten Beispiel des Kinders, welches in aller Öffentlichkeit beginnt wegen etwas zu schreien...? Am Besten im gefüllten Supermarkt...? Was bitte geht da denn ab in uns?
Und ein weiterer Teufelskreis ist geschaffen. Einer jener, die das Kind veranlassen, weiter unwahre Gedanken zu schaffen, die sich auf späteres Leben auswirken.

Ich erzähl Euch nur mal tatsächliche Beispiele aus meinem Leben:

Beispiel 1)
Aufgrund irgendeiner sogenannten "Straftat" in den Augen meiner Mutter zuckte diese wieder völlig aus. Ich erhielt den Auftrag, mir irgendwelche alten Lumpen anzuziehen, Gummistiefel ohne Socken...
...und dann "begleitete" mich meine Mutter mit Fußtritten und Ohrfeigen und lautem Geschimpfe aus der Elternwohnung. Mit der Kernaussage: ich wäre nicht mehr ihr Kind, ich sollte selbst weitersehen, wo ich abbliebe.
Mitten im Winter...
Was soll ein Kinderherz davon halten...? FFE*?

Beispiel 2)
Irgendwann als Kind zuhause, am Küchentisch...es ging glaube ich um Hausaufgaben. Zu jener Zeit schaukelte ich gerne am Sessel....
Es war halt in den Augen der Mutter wieder irgend ein Frevel begangen, sie zuckte aus....versuchte mir eine Deftige zu scheuern.
Ich versuchte mit schaukelndem Sessel nach hinten auszuweichen....die Schelle verfehlte ihre volle Wucht....ich allerdings rutschte mit dem Sessel weg und knallte mit der Birne gegen den Heizkörper.
Folge: Arztbesuch. Platzwunde. Nähen.
Selbst damals schon "interviewte" mich der Doc natürlich nach dem Geschehen. Ich erzählte ... wohl schon begleitet von kindlicher Wut. Voll Schmerz.... und es war sicher nicht nur körperlicher Schmerz.
Eltern wurden zum Doc hineinzitiert. Gespräch fand unter meinem Ausschluss statt. Zuhaus angekommen.... uiuiui....da gabs dann gleich nochmal fettes Donnerwetter mit Tätlichkeiten, denn ich hätte ja Lügen über meine Mutter verbreitet...
Was soll ein Kinderherz davon dann halten...?
Immer noch FFE* ... oder Angst, Panik, Wut, Zorn, Enttäuschung, Verrat, Minderwertigkeit, was auch immer....die Palette ist sehr erweiterbar!

Ich könnt Euch hier noch ein paar Schoten liefern, dass einem die Haare zu Berge stünden... Dinge, die dann auch in weiteren Jahren des Heranwachsens andere Leute mit hineingezogen haben...
...gingen aber in verschiedenster Richtung letztlich nur dahin: Das Kind verschliesst sich, schafft und begräbt massenhaft unwahre Gedanken (weil wie sollte ein Kind verstehen, dass Schläge auch verzerrte Liebe wäre, dass Eltern oder/und Umfeld selbst große Mängel hatten....dass die Eltern und/oder Umfeld selbst noch immer verletzte Kinder ohne aufgearbeiteter Vergangenheit sind u. dgl......u. dgl.....???).
Ein Kind geht dann eben soweit, dass es diese Zwangsanpassungen zulässt, um diesen Repressalien aus dem Weg zu gehen. Oder komplett rebelliert.

Wie ihr seht liebe Leute... Es ließe sich hier locker ein Buchband mit Beispielen füllen....
....Beispielen, die alle miteinander dazu geführt hatten, dass wir unsere Herzen verschlossen.
Dass wir bestimmte Emotionen so dermaßen tief in uns begruben, mit den begleitenden Entschlüssen, diese NIE WIEDER erleben zu wollen!!!
Und so "ganz zwischendrin" gab es dann noch diesen allseits beliebten Zeitraum der Pubertät.
Spätestens da war doch bei den Meisten Wonne, eitel Sonnenschein!
 
Nicht...???

Ich meine....alle die selbst schon Kinder haben...kennen nun auch die "Gegenseite". Nicht nur die selbst Betroffene als Kind (obwohl man als Eltern dann gerne "unter den Teppich kehrt"...)  :-)
Das ist für beide Seiten - Kind und Eltern - wahrlich ein emotioneller "Eiertanz". Wer will da gerne Anderes behaupten...?



Das sind also die verschiedensten Anlässe, Gründe....und dazu das Gegenstück, dass uns nie jemand zu Seite stand, selbst solche Dinge ANDERS sehen, verstehen zu können! Denn am Willen wär es sicherlich nicht gelegen...
Anlässe und Gründe zu Hauf, groß oder klein....
...die uns heute einen Bereich des Lebens "bescheren", der einerseits keine oder nur wenig Erinnerungen mehr aufweist, weil sich unser Herz, unsere Seele damit nur selbst schützte. Weil sie für die Kinderseele definitiv zu schmerzhaft, zu viel waren und wir sie nicht mehr wollten!
Andererseits oft tiefgreifender Erinnerungen, die bis heute....ins aktuelle Jetzt - zumeist unbewusst - einwirken, eingreifen....

Ich sage hier auch nur dazu: die Opfer-Rolle ward geboren!
Denn als Beispiele....
...aus welchem Grunde denn wären wir unsicher, schüchtern...
...aus welchem Grunde hätten wir kein Selbstwertgefühl...? Kein Selbstvertrauen...?
Weil "die Anderen" so böse sind, und uns vieles oder alles geklaut haben? Diese "Schweine!?" Nein - ganz sicher nicht!

Opferrolle.

Aus welchem Grund haben wir heute Ängste vor diesem und jenem?
Ganz sicher, weil man sich ja mit unseren Ängsten so toll auseinander gesetzt hat, oder...? Weil man sich in der Zeit unserer Entwicklung ja soooo undendlich viel Zeit für unsere "Entwicklung nahm". Mit Worten "du musst ja nicht..., du darfst nicht..., do sollst nicht..., etc."?
Doch nicht????
Aus welchem Grund entstand Minderwertigkeit? Aus welchem Grund "zersetzte" sich Selbstwertgefühl..., Selbstvertrauen...? Aus welchem Grund zieht sich ein Kind zurück, verschließt sich?
Weil man ja ständig die "Bestätigung" von überall bekam, dass man absolut wertvoll ist, dass nichts
Na halt eben "nur ein Kind, dass ja erst sauber, brav, fleissig sein....heranwachsen und "was werden muss"...???
aus des Kindes Richtung zu bemängeln, berichtigen, kritisieren u.v.m. wäre...? Dass das Kind eine vollwertige Person IST, seine "Daseinsberechtigung" hat....oder eher nur als "unwissendes Würstl"...?
Oder das Pendant dazu: stetige Rebellion...!?

Statt vergraben...Rebellion.
Statt Schlucken...Rebellion.
Und und und....
Doch wozu führte eben dies letztlich? Opferrolle.

Was tat man?

Eltern vertraten ihre Meinung. Und das war mehr oder minder Gesetz. Abhängigkeit.


Eltern - vorwiegend Mutter - war DIE Bezugsperson. Und wenn sie sagte/äußerte, dieses und jenes wäre eben dieses und jenes....dann hatte es auch so zu sein! Wenn nicht....es gab sehr breite Spektren, hier entsprechend "nachzuhelfen".... also Abhängigkeit.
Dann gab es - wie schon vielfach zitiert - das Umfeld mit all seinen zunehmenden Beeinflussungen und Ansprüchen, Erwartungen.
Wo war da irgend jemand Anderer aus möglichst neutraler Postition, der dies zumindest stellvertretend hinterfragte???
Etwa... nicht da?!
Und selbst wenn - in meinem Fall wurde diesem das sehr schnell und bald "ausgetrieben"!
Also wurde all dies ebenfalls zur Realität des Kindes. Opferrolle.
Es war gar nicht in der Lage, seine eigene Realität zu finden. Denn spätestens bei Versuch kam es oft zu Krach - wir kennen dies doch.
Es kam zum unweigerlichen "Knast"!!!


Erst dieser Tage hörte ich - zu meinem persönlichen Bedauern - wieder von einem "Fall" des "Knasts". Es sind also nicht Einzelschicksale....
...sondern jeder von uns ist mehr oder minder betroffen! Jeder wurde...oder so krass es sich auch anhört....jeder MACHTE sich zum Opfer. JEEEEDER!
Aufgrund unwahrer Gedanken und fehlender Hilfe, anders denken und empfinden zu können...
...und letztlich erst gar nicht auf Opfer-Gedanken zu kommen...

Wann bei Euch begann - zumindest die geistige "Revolte" - oder wurde sie gar ausgesprochen, ausgelebt...?
Nur .... geschah dies dann wirklich aus einem "Herztrieb"....?
Oder vielmehr dann schon aus einem Bestreben, sein Ego durchzusetzen, aus Kalkül, wachsam .... als heranwachsender Stratege....um diversen "Auflagen der Eltern und/oder des Umfeldes zu entgehen...?
Was wollte man? RAUS!!! Und am Besten dann nie so werden wie Mutter oder Vater! Richtig?
Weil man ja nun bald dem "Erwachsensein" zustrebte und vermeintlich glaubte, dann ....
....ja dann spätestens endlich sein Leben, mit seinen Gedanken selbst gestalten zu können....?
Mit "offenen Armen" in dem Irrglauben, es wäre seine eigene Gedankenwelt, ins "offene Messer" des Lebens zu laufen....
....und vermeintlich wieder enttäuscht, wieder verletzt u.v.m. "zu werden"...von den bösen Anderen....?
 

...dem vermeintlich freien Start ins Leben...
...im Schlepptau mit all den unbearbeiteten, unbewältigten Emotion....und Ängsten...der Unbewusstheit....

Nächstes Mal dann möchte ich genau einen Beitrag jenem "Scheitelpunkt" widmen...



PS:
Zur Erklärung des in den Anfangen dieses Betrag markierten FFE*: Abkürzung für "Friede, Freude, Eierkuchen" 
Und nochmals: ALLES hier ist bitte keine Elternanklage....auch wenn es sehr danach klingt! Wir alle hatten die besten Eltern der Welt - sie gaben ihr Bestes! Das Beste, wozu sie in der Lage waren, soweit sie es wussten!
Ich nutze nur bewusst harte Affirmationen, um durchaus hier nochmal bewusst in die Emotionen hineingehen zu können.
Denn damit beginnt der Weg in die Freiheit!  In unsere...und die folgender Generationen...
Mehr dazu in den folgenden Beiträgen!

Euer Prinzerl