Sonntag, 8. Februar 2015

Oft tabuisiert und verdrängt: Die Angst - Teil 3


Willkommen Leute zum 3. Teil meiner Beitragsserie zum Thema "Angst"!
(Angst - Teil 3)

Sooo....
....dann möchte ich heute anschließen an den Schluss von Beitrag 2....
....Erinnerungen an unsere "kleinste Kindheit"....
....was wir noch wissen, woran wir uns erinnern....oder merkwürdiger Weise nicht....?
....Warum wir uns nicht erinnern....



Beginnen wir aber doch mal am Anfang:
Nehmen wir doch einmal die Situation des kleinen Babies....
Was kann es denn alles?
Lächeln....ja förmlich strahlen wie ein kleiner Stern? - JA
Schreien, ja brüllen mit hochrotem Kopf wenn irgendetwas nicht passt? - JA
Lieben...vollig unvoreingenommen, bedingungslos..? - JA
Aber wie sieht´s denn aus mit...
...Essen..., Anziehen..., Notdurft...am Besten natürlich gleich selbstständig!?
Oha!
Wir stellen also fest, dass das Kind nicht auf die Welt kommt und gleich mal selbstständig losläuft....wie man es zum Beispiel aus der Tierwelt kennt.
Nein.

Das Kind ist also - mit harten Worten ausgedrückt - ein völliges Hascherl und absolut unselbstständig. In allen Dingen des täglichen Lebens auf Hilfe und Aufmerksamkeit angewiesen! Pure Abhängigkeit!
Im Gegenteil. Das Kind benötigt sogar eigentlich eine recht lange Zeit, bis es lernt, selbstständig wird. Braucht Zuwendung, Pflege... Das Kind an sich ist bereits der perfekte Mensch mit allen Veranlagungen. Einzig wissen fehlt ihm.
So...jetzt kommt also ein Baby nach 9 Monaten reiner Behütung (ich nehme jetzt einmal den Regelfall an) auf die Welt...
...in eine verhältnismäßig kalte Welt...
...und muss feststellen, dass es völlig abhängig ist!
Na Buuummm!

...doch Emotional ist dies - nach dem Verlassen des Mutterleibes - der nächste gewaltige Schock.


Und erneut: 
freilich wird sich das Kind nicht sofort irgendwelches Vokabular aus dem Hirn wringen und ganze Kritiken verfassen...nach dem Motto: "Halt, ich glaube ihr irrt hier!"


So. Weiter....greifen wir dann das Thema auf...mit dem Schreien des Kindes.
Natürlich kann ich Kind nicht äußern, "ooch Mutti da kneift grad dieses....oder da wär jenes...."
Das Kind begreift sofort, dass es durch Schreien auf sich aufmerksam machen kann.

Viele von uns haben selbst schon Kinder, gingen unbewusst durch den Tag....durchs Leben....gingen arbeiten, hatten zuhaus auch noch was zu tun....und dann kommt man heim und das Kind plärrt....und plärrt ....und plärrt.....
Naaaa? Nervt das etwa? Hat der Tag noch nicht gereicht....jetzt auch noch das? Besinnen wir uns vielleicht in jenem Moment darauf, dass wir auch Babies waren .... und geplärrt haben....?
Und dann folgt jetzt für das Baby die Situation, dass nicht sofort beim ersten Ton, der mitunter ja auf eine missliche Lage, gar auf Schmerz o. dgl. aufmerksam machen soll....Hilfe bringen soll....
....dass nicht sofort etwas geschieht. Niemand kommt.
Erneut: Schock!

Und: einer der ersteren unwahren Gedanken.... ich bin allein. 
Folgende Emotion: Angst.
Kann man jetzt das Kind zutexten, groß erklären, dass dem ja nicht so ist....
Nein. Freilich nicht.
Doch wiederum....liebevoll in den Arm nehmen. Mit liebendem Ton sprechen...auch wenns das Kind Worte nicht versteht....aber das "Dazwischen" sehrwohl.

Selbstverständlich ist uns auch klar, dass wir nicht ständig nur um das Kind kreisen können. Das Kind wird es auch überleben... Wir haben es ja auch überlebt.

Was ist dann mit jenen Fällen...
Beispiel...ein Kind sagt nicht: "ich muss mal..."....sondern es lässt einfach geschehen. Ein Urinstinkt.
Jetzt sehen wir uns doch mal im geistigen Auge all die hooooch erfreuten Gesichter, wenn das Kind wieder eine volle Ladung in die Windel feuert...!
Jaaaaa.....da blüht das Herzerl doch auf, was?
Oder zuckt da unter einem - wenn auch nur ansatzweise - verzerrten, erzwungenen Lächeln der Mundwinkel....vor lauter "Freude"....
...dass man - derb ausgedrückt - wieder einen Haufen Scheisse saubermachen darf...? Wo man doch grade erst vor womöglich einer Stunde selbiges gemacht hat....

Wir selbst merken dies nicht. Aber Voooooorsicht!
Das Kind hat 1000 Antennen und bemerkt alles. AAAALLLLLLESSSS!

Jetzt will das Kind aber doch einfach nur lieben! Strahlen! Und Liebe und Zuneigung bekommen!
Und dann da dieses seltsame "Grinsen", dieses ärgerliche oder unmutige Zucken im Mundwinkel....die Stimme von Mami / Papi ist etwas anders, hört sich um Nuancen nicht mehr so lieblich an...
OOOOHAAAAA!
Nächste Gelegenheit unwahre Gedanken zu produzieren: Mami liebt mich nicht mehr (so).... die komplette Liebe muss ich mir also verdienen!

Liebe gibt es nicht umsonst!

Doch soll es uns aufzeigen, das Verständnis erweitern, wo....
....einerseits für uns Möglichkeiten liegen, mit Liebe aufmerksam auf das Kind einzuwirken, damit Ängste wieder vergehen oder unwahre Gedanken erst gar nicht so massiv (womöglich gar nicht) aufkommen....
....andererseits wo eben schon Ängste entstehen im Leben, die sich - wenn nicht zumindest später geklärt - bis in die Gegenwart leider meist verfestigen...die uns begleiten... die unsere Leben manchmal sogar gravierend beeinflussen oder gar beeinträchtigen...!

Ob sie für uns nachvollziehbar sind oder nicht....weil wir uns nicht zuletzt vom eigenen Kindsein schon viel zu sehr entfernt, verleugnet und verdrängt haben...
Oder wer kann sich im Detail an die ersten Lebensjahre erinnern???
Glauben manche, man könne sich nicht dran erinnern, weil "halt sooo viel Zeit vergangen" sei... oder weil wir uns "halt nicht mehr so gut merken" könnten...?
Absoluter Quatsch!
Teilweise wollten wir regelrecht diese Erfahrungen nie wieder erleben! Schutzmechanismus des Kindes und Geistes!

 Diese Zeiten wurden mit Absicht verdrängt und "vergessen". Doch Gefühle haben keine Halbwertszeit, kein Ablaufdatum.

Für das Kind sind die Erfahrungen absolute Realität. Auf sich bezogen.
Und dann nun noch den Blick auf den "Schauplatz" jener Menschen, jener Kinder, die dann eben keine Liebe bekommen...
...die ignoriert werden bis zu einem gewissen Grad...."oooch ...lassen wir das Kind ein bissl schreien, ein bissl in der vollgekackten Windel liegen, das schad´ ihm scho ned..."
...die womöglich dann noch all die Ungeklärtheit, den Unfrieden in den Eltern abbekommen....gar geschlagen werden....?
Wir kennen solche Beispiele...? Dinge....?
Ich kenne sie. Oh ja! Was hab ich selbst Dresche kassiert...unglaublich!
Was hatte ich aber mit den Wüten und Aggressionen meiner Eltern wirklich zu tun? Mit all ihrer Unzufriedenheit in deren Leben...?
Nichts - ausser einem riesen Berg an Unbewusstheit der Eltern.

Oder:
Wer konnte denn überhaupt mit beiden Elternteilen aufwachsen...?
Oder hatte vorher das zweifelhafte Vergnügen, all den Streit, all den Unfrieden und gar Hass....oder einfach nur das Fehlen (zumeist des Vater) erdulden zu müssen.
Auf sich bezogen wiederum dann den unwahren Gedanken zu denken, dass das Kind womöglich Schuld an der Trennung sei? Denn erklärten tut das dem Kind ja kaum einer. Oder oft nur mit negativen Behaftungen der Person, die verlassen hat...
Oder dem Gedanken wiederum.....na wenn Papi gehen kann....dann kann Mami ja womöglich auch gehen! Dann bin ich allein...!
Angst!
Panische Angst!!!

Doch was ist grade von diesen "Negativ-Markern" dann fürs weitere Leben Folge? Unbewusste....doch fatale Folge...?
Das Kind bemerkt auf allzu drastische Weise, dass eben Liebe nicht umsonst bekommt. Das es mit Liebe nicht weiterkommt, weil ja die anderen auch nicht Liebe leben, sondern Kalkül, Berechnung, Strategie.
Nochmals....ein Kind hat unzählige "Antennen" und bekommt ALLES mit!!!
Es beginnt, den Verstand zu schaffen, zu schärfen.... zumeist aus Schmerz, den es oft aus unwahren Gedanken erschaffen hat....
...überzutreten in ein Verstandesleben, sich mit Kalkül, Einschätzung, Trennung, Be- und Verurteilung durchs Leben zu manövrieren, da es einfach bestimmte Dinge, Situationen, Schmerzen, Ängste u. dgl. einfach nicht mehr....ja am besten nie mehr erleben, erleiden will.
Das Kind fasst Entschlüsse...und Entschlüsse eines Kindes haben gleiche Wirkungskraft wie die eines Erwachsenen! Sie manifestieren sich!

Das Kind erschafft sich seine Gedankenwelt.... zusätzlich dann noch immer schwer beeinflusst duch bereits genannte absolute Abhängigkeit..., durch Äußerungen und Vorleben durch Eltern und Umfeld...
...eine Gedankenwelt, die es - je mehr sich gewisse Dinge wiederholen - irgendwann glaubt.
Selbst bei den vermeintlich liebevollsten Eltern.
Da eben das Kind in erster Linie auf sich bezieht, kann es einfach nicht ausbleiben, dass das Kind unwahre Gedanken erfährt.
Schlimmer natürlich bei Kindern, die in nicht unbedingt DAS liebende Umfeld geboren werden...
Das Kind wird also zum Taktiker...das Herz gerät bald in Vergessenheit. Ds Umfeld lebt es ja auch so vor!
Es wächst weiter heran...es werden im Rahmen eines Domstizierungsprogramms namens "Erziehung" dann zusätzliche Forderungen an das Kind gerichtet... brav sein. Sauber sein. Und spätestens ab Schuleintritt....fleissig sein! Damit aus dem Kind einmal "was wird"...!?
...Und es lernt in der Tat. Es kopiert auch Gedankens-, Redens- und Verhaltensweisen. Beobachtet. Zieht aus Reaktionen Schlüsse...  Es kann an sich nur schließen, dass das um das Kind Geschehende "Normalzustand" ist. Es hat wenig Vergleichsparameter.

Wie war es denn bei Euch immer so?


Oder in der Schule......Ohoooooooooooooooo.....
Alles Friede, Freude, Eierkuchen....?
Oder...wenn ihr z.B. völlig versaut vom Spielen kamt...? Wenn ihr als Kinder mal Eurem Spieltrieb ohne schlechte Absicht nachkamt und in den Augen der Eltern Scheisse gebaut hattet...?
Alles roger? Alles verständlich ruhig geklärt?
Wirklich? 
Oder versucht auch hier, der Verstand schon wieder zu beschönigen...? Nach dem Motto: "naja...die Eltern hatten es ja (mit uns) auch nicht leicht...!"
Doch dazu möchte im nächsten Beitrag eingehen.

Euer Prinzerl