Samstag, 8. Oktober 2016

Freier Wille - Wahrheit oder Mythos?


Hallo lieber Leser, liebe Leserin!

Wieder einmal möchte ich mich einem Thema widmen, mitunter ein paar anstößige Fragen stellen...

...um ein mitunter "geheimnisvolles" Wort zu beleuchten, zu hinterfragen:

Freier Wille



Klingt so gesehen ja recht easy... oder?

Was verbinden wir damit?

Das wir tun und lassen können, was wir wollen etwa...?

Ein Mann namens Schopenhauer tätigte da einmal einen treffenden Satz:

"Der Mensch kann tun, was er will. 
Aber er kann nicht wollen, was er will!"



Wie hört sich das für Dich an...? Ehrlich!

Nur wirres Zeug?

Oder geht es spätestens im zweiten Teil der Aussage, in einen schier höllischen Abgrund...?


Egal.
Widmen wir dem doch einmal ein bisschen Zeit. Hinterfragen wir!


In dem Sinne also mal die Frage an Dich.

KANNST DU TUN, WAS DU WILLST ?


Ich für meinen Teil würde hier nun antworten wollen:
Nein.

Weshalb?
Nun - der Mensch hat es sich im Zuge seiner Jahrtausende dauernden sogenannten Entwicklung zueigen gemacht, alles durch Regeln, Gesetze, Vorschriften und noch vieles mehr festzulegen. Zu bestimmen. Eine Nichteinhaltung mit Strafe zu bedrohen.
Der Mensch hat es verlernt... oder vielleicht niemals gelernt...?  Gelernt, Gegebenheiten des Lebens zu folgen...?

Nehmen wir eines der berühmtesten Gesetze, die ein Gott geschaffen haben soll: "Du sollst nicht töten!"

So.
Wer tötet in der Regel?  Abgesehen nun von Menschen mit Mängeln und Ängsten. Bzw. die dann als Rechtfertigung dafür herangezogen werden...

Jemand tötet, der Leben nicht respektiert!

Wie passt dies nun grade in die Thematik mit dem "freien Willen"...?

Man könnte jetzt - sehr direkt - dem Ausdruck verschaffen, dass es jedermanns Willen obliegt, zu entscheiden, ob er/sie töten will oder nicht. "Freier Wille".

Nur.... ein "kleines dezentes Detail" stünde dem meiner Auffassung nach im Wege:
Ist dieser Wille nun tatsächlich "freier, eigener Wille"... oder ist er in irgendeiner Art und Weise, Form von außen beeinflusst?

Könnte der Mensch... oder nein.... noch weiter... wie könnte der Mensch... jetzt rein und einzig auf sich selbst gestellt, ERFAHREN, dass Töten gegen das Leben ist?

Ich weiß... das hört sich jetzt alles sehr krass an... doch ich gäbe nochmal zu bedenken: Mensch - alleine auf sich gestellt! Völlig von allem isoliert!
Da ist also niemand, den er töten könnte, um eine Erfahrung zu machen. Außer sich selbst - wobei er hier keine Erfahrung mehr draus ziehen könnte.
Also eine in sich abstrakte Sache. Ein Paradoxon.

Der Mensch könnte also genau genommen erst in Interaktion mit einem Anderen Erfahrung machen!
Ist es womöglich vom Leben genau so vorgesehen?
Liegt darin der "Prüfstein", im Rahmen des ihm obliegenden möglichen "freien Willens" Entscheidungen zu treffen, die weit außerhalb der Reichweite unseres Verstandes liegen...?


Zum Beispiel aber nochmal:
Das soll jetzt bitte kein Freibrief oder irgendeine Art und Weise von Befürwortung oder sonst etwas sein! Ich distanziere mich absolut!
Doch darf ich nur dem Gedanken mal Raum einräumen, dass ein auferlegtes Gesetz, eine Regel, eine Vorschrift - ob nun Androhung von Strafe bei Missachtung oder nicht - im Grunde einzig eine abstrakte Sache für den Menschen ist. Keine Erfahrung. Keine eigene, für sich entstandene Willensentscheidung.
Und wie sehr wirkt eine abstrakte Sache auf den Menschen? Wie sehr lernt, versteht er sie?


Lassen wir das mal stehen und gehen in ein anderes Beispiel...
...tagesaktuell!

Demokratie

Hast Du den Eindruck, dass in einer Demokratie die volle Handlungsfreiheit besteht. Jeder tun und entscheiden kann was er will? Eine Gemeinsamkeitsentscheidung vorliegt?
Demokratie preist ja mitunter genau jenes als Fundament ihres Bestehens...
Wieviele Beispiele im täglichen Leben lassen vielmehr erahnen, dass hier sehr viel Hintergrund suggeriert wird, der einzig den angeblich "freien Willen" in bestimmte Richtungen lenken soll und will. Und auch tut.


Oder noch was Simpleres:
Sagen wir jetzt einfach mal, Du "willst" nackt in die Stadt gehen.
Dieser Willensgedanke wäre - im Idealfall jetzt wirklich absolut und einzig aus Dir selbst - ohne jegliche Beeinflussung (Vorprogrammierung etc.) entstanden.
Ich würde vermuten, dass Du nicht weit kommen wirst, da Du Bekanntschaft mit zumindest zwei netten Onkels in weiß machen wirst, die sogar mit einer "Ich-hab-mich-lieb-Jacke" auf Dich warten...
Kannst Du also, was Du willst...? Wirklich...?

Stehen hier also nicht spätestens die "Willen" anderer entgegen dem Deinen? Bestimmen auch hier andere über Deinen Willen... oder nicht etwa...?


Wie also ist das mit der Willensfreiheit?
Nach einem Konzept der "unbedingten Willensfreiheit" besteht keinerlei Einfluss, keinerlei Beschränkung. Es gäbe keine Umwelt, kein Umfeld mit all seinen verschiedensten Dingen, Vorschriften, Regeln und Möglichkeiten. Da gäbe es nicht einmal eine einzige Referenz, den "Einklang mit Natur, Energiefeld, Schöpfung. GAR NICHTS!

Ein Wille, eine entstehende Entscheidung unterläge also völlig unmotiviert dem reinen "Zufall".  Nur... weder "Zufall", "Willkür" oder wie auch immer, treffen hier nicht annähernd. Es ist im Grunde für den menschlichen Geist außerhalb des Erfassbaren... diese absolute Unbedingtheit!
Denn wie wolltest Du Dir definieren, begründen - wie im vorigen Beispiel (nackt in die Stadt), wie nun dieser "freie Wille" nach dem "nackt in die Stadt" entstanden sein sollte? Wenn NICHTS um Dich wäre...!?


Ich würde jetzt nur "befürchten": genau aus diesem Nichts... nie irgendetwas erfahren, reflektiert - da käme dann auch nichts.
Gehirn könnte jetzt spätestens auf Modus "ERROR" schalten.

Umkehrschluss: Weshalb wohl beginnt ein Baby so schnell wie möglich am, im und mit dem Umfeld zu reflektieren...?
Wie käme der Mensch drauf, nackt in die Stadt zu wollen?  Weil aus irgendeinem (zumeist unbewussten Bezug) die Referenz z.B. "könnte angenehm", "könnte schräg", "könnte aufregend sein" kausal in einen Willen bzw. in die Entscheidung fließt, es letztlich zu tun...?


Damit also gäbe es da das Konzept des Determinismus. Diesem liegt eine Annahme zugrunde, dass jeglicher Wille, jede Entscheidung  einzig eine Folge von Ereignissen ist, die geschehen. Und in jeglicher Weise kausale Folgen haben, welche eben von diesen Ereignissen eindeutig bestimmt würden.

Ein sehr simples Beispiel:
Die heiße Herdplatte.

Zuerst die "unbedingte Willensfreiheit":
Wie sollte ein Mensch je einen Willen zu einem Tun oder Unterlassen (z.B. dem schnellen Wegziehen der Hand von der heißen Herdplatte) entwickeln, wenn es nichts gäbe. Keine Herdplatte, keine Hitze, gar nichts! Wie sollte also ein Wille - aus nichts - zu etwas entstehen?
Es entstünde eine Art Paradoxon.

Jetzt der Determinismus:
Der Wille entsteht dadurch, dass da jemand einen Herd erfunden hat. Kausale folge dessen ist, dass dieser Herd eingeschalten werden kann. Daraus wieder folgt, dass die Herdplatte heiß werden kann. Daraus wieder folgt, dass ein nun ganz zufällig vorbei Kommender auf die Herdplatte greifen kann. Daraus wieder resultiert, dass man sich aufgrund dieser heißen Herdplatte verbrennen/verletzten kann. Und schlußendlich ergibt dies kausal, dass man die Hand wegziehen wird, um überhaupt oder weitere Verbrennung zu verhindern. Der Wille zur Vermeidung einer Verletzung ist entstanden.

Ist in dem Sinne für Dich lieber Leser, liebe Leserin nun erkennbar geworden, dass also diese sogenannte "unbedingte Willensfreiheit" in der Tat ... nun ich möchte nicht Mumpitz sagen... aber in gewissem Maße wohl wirklich ein Mythos bleibt?


So.
Nun möchte ich mich dem zweiten Teil von Schopenhauers Aussage widmen...:

"Der Mensch kann nicht wollen, was er will"

Zum Einen ist dieses Wollen ... oder Nichtwollen nun schon durch gewisse "Erfahrungen", durch verschiedene vorangegangene Ereignisse vorweg genommen.

Eine einfrache Frage könnte das untermauern:  "Wenn Du schon weißt, dass Du Dich auf der heißen Platte verbrennst... würdest Du noch hingreifen...? Würdest Du es trotzdem selbst ausprobieren, "erfahren" wollen?"
Und doch: wieviele Kinder greifen trotzdem hin? Bis sie es tatsächlich selbst erfahren!

Das ist nun praktisch die eine Seite der Medaille, der ich in gewissem Maße tatsächlich noch einen gewissen Grad an "Entscheidungsfreiheit" einräume.

Heikler wird die Sache bei jenen Dingen, in denen - wie vorhin schon erwähnt - teils abstrakte Dinge als sogenannte "Erfahrung" impliziert werden!

Nehmen wir so ein Gesetz: "Du sollst nicht töten"

Es gibt hier in der philosophischen Sichtweise einen "Kompatibilismus":
Wie passt "unbedingte Willensfreiheit" mit "Determinismus" zusammen?
Eine Person handelt dieser Definition nach dann frei, wenn sie eine Handlung will und auch anders handeln könnte, wenn sie anders handeln wollte. Die Person empfindet dies subjektiv als "freier Wille".

Umgesetzt ins Beispiel:  Du handelst frei, wenn Du eine Handlung/Unterlassung willst (nehmen wir in diesem Fall, Du willst nicht töten), obwohl Du anders handeln könntest, wenn Du wolltest (Du könntest töten, wenn Du wolltest).
Das Motiv... das kausale Ereignis... können wir hier im Moment vernachlässigen.
Konkret: ob Du nun aus eigener "Erkenntnis" oder einzig aufgrund gesetzlicher Drohung mit Sanktionen Deine Willensentscheidung triffst, ist für den Moment sekundär.


Also liebe Leser!

Im Grunde genommen würde ich das alles jetzt mal zusammenfassen wollen:

ES IST EIN GEWALTIGER EIERTANZ !!!


Setzte man also bei all der Anpassung, Konditionierung von Babyalter an, so könnte man darlegen, dass das Kind sehr wenig eigene Erfahrung macht bzw. diese sehr bald abgenommen, vorgegeben wird. Das, was das Kind wollte, wurde aberzogen. Es durfte nicht mehr wollen, was es wollte!

Hast Du schon einmal vom Kaspar-Hauser-Experiment gehört?
An sich stammt dieser Versuch aus der Verhaltensbiologie im Zusammenhang mit weitestgehendem Erahrungsentzug bei der Aufzucht von Tieren. Also ohne jeglichen Kontakt zu anderen Artgenossen oder Tieren.

Ziel war es, den Nachweis zu führen, dass alle von dem Tier gezeigten Verhaltensweisen im Erbgut enthalten, also angeboren sein sollten.
Einzelne Erwähnungen in Aufzeichnungen führen an, dass man solche Versuche in der Frühzeit auch schon mit Menschen gemacht haben soll.
Offenbar ging die Erwartung aber nicht auf. Freilich haben Tiere wie Menschen sehr viel an Erbgut in sich. Doch dadurch, dass keine Reflektion an Gleichartigen stattfinden konnte, kam dieses Erbgut nicht zu einer Entfaltung.
Alte Versuche mit Kindern zeigten zudem auch, dass ein damit einhergehender Entzug von Zuwendung, Liebe alleine schon den Tod von Kindern verursachte. Da reden wir noch gar nicht von Erbgutentwicklung und sonstigem Zeugs...

Und jetzt stell Dir mal vor, dass diese Reflektion aus dem Kontakt mit anderen Menschen, Deinem gesamten Umfeld, nun vorgegeben wird. Letztendlich mit all diesem Regelwerk, Gesetzwerk, Vorschriftswerk, Bestimmungswerk...

Zur besseren Verdeutlichung... stell Dir Deine Ahnenreihe vor!

Du hast gelernt, was Dein Vater vorgab. Dein Vater hat gelernt, was sein Vater vorgab. Sein Vater wiederum von seinem. Und... und... und...
Diese "kausale Ereigniskette" ließe sich bis zu dem berühmten Päärchen "Adam und Eva" zurückleiten. Wobei ... wer wahl wohl zuerst da? Die Henne oder das Ei...?

KANNST DU SOMIT EIGENTLICH, WAS DU WILLST ... ???


Wie nun aber könnten wir mit dem nun umgehen?
Glauben wir tatsächlich an die Wahrheit - obwohl sie immer nur und einzig die Wahrheit des Einzelnen sein kann. Abhängig von seiner Prägung durch Umfeld. Oder lehnen wir sie komplett als Mythos ab?

Ich meinte, es spielt unterm Strich keine Rolle, aus welcher Richtung die Entscheidungen, die wir treffen, bedingt sind.
Der sogenannte "Freie Wille" ist also weder Wahrheit... noch Mythos.

Ich hielte ihn eher für Fiktion. Scheinbarkeit.
Der sogenannte "freie Wille" scheint für uns frei, da wir nun einmal nach Gründen handeln, die wir vollinhaltlich alle gar nicht kennen können! Denen wir uns nicht bewusst sein können.

In unserem Gehirn ... ja da läge aller Voraussicht nach ein riesen Potential verborgen, zumindest den Inhalten mehr auf den Grund gehen zu können. Denn gespeichert ist in unserem Gehirn absolut alles. Nur eben im Unterbewussten.


Im Eingang zum Blog erwähnte ich ein gewichtiges Wort:  "HINTERFRAGEN"

Vieles im heutigen Umfeld widmet sich ausführlich und konsequent, Menschen zusehends mehr dieser "Gründe" zu liefern. Seien es nun Medien, seien es Personen in öffentlichen Positionen, sehen es diverse "Strippenzieher" dahinter.

Es bedarf in der Tat maximal erhöhter Aufmerksamkeit, Bewusstheit. Es grenzt an Arbeit... vor allem sich selbst zu hinterfragen!
Hinterfragen hieße für mich nun nicht, alles komplett umkrempeln zu müssen. Doch es eröffnete für mich die Chance, aus dieser Trance aufzuwachen.
Die Kette der vorgegebenen Gründe, Gegegebenheiten für kausale Entscheidungsgründe zu durchbrechen!

Mit diesem Durchbrechen dieser Vorgabe ist allerdings Ende einer Komfortzone markiert!

Weg mit Kuscheldecke des Einlullens, angeblichen Anwärmens, wiegen in einer Sicherheit.... und vielem mehr!


Denn erinnere Dich bitte nochmal kurz an jenes Beispiel dass ich betreffend Gesetz brachte! Mit dem die "Vorgeber" - zumindest durch Gesetz und Strafdrohung - versuchen, Sicherheit zu vermitteln...

Wieviele halten sich nicht daran?

Wieviele handeln anders, obwohl sie auch anders könnten... diesmal aber nicht wollen...!?



Deshalb würde ich nun eine neue Frage stellen wollen:

WILLST DU, WAS DU KANNST - UND KANNST DU, WAS DU WILLST...???


Es läge also im Grunde auf der Hand, einmal dem nachzugehen, was es sein könnte, was Du willst...!

Und ich lege nun ganz bewusst die Betonung auf "WAS DU WILLST"!

DU!

Somit könnte ein folgerichtiger Gedanke sein, einmal erfahren zu wollen, WER Du wirklich bist. WER Du außerhalb all der Konditionierung bist...

Nur deutet es für mich dorthin, dass man auf dieses "WER" und "DU" nicht mit Fragen oder Antworten kommt, die man bisher gestellt hat.
Es gilt neue Fragen zu stellen.
Und Fragen dann nicht in einem "beschränkten" Verstand einzupflanzen, sondern tiefer... mal im Herzen wirken zu lassen. Denn dort liegen wohl die wirklichen Antworten...

Können tun wir das alle... - nur wollen wir...?


Mit einem Zitat schließe ich nun diesen heutigen Blog und überlasse es Deinem "freien Willen"... welche "Wahrheit" Du für Dich zu finden beschließt...

Als Kind durftest Du aufgrund eines Umfeldes, einer Anpassung nicht mehr wollen, was DU wolltest. Du warst in einer vielschichtigen Abhängigkeit.
Heute nun gibt es immer noch ein Umfeld. Auch gibt es eine Abhängigkeit... Aber wer könnte Dich nun hindert, zu wollen, was Du willst?


"Wenige Minuten nach Deiner Geburt beschlossen sie Deinen Namen, Deine Nationalität, Deine Religion. Später was und wie Du zu sein und entsprechen hast.
Und Du verbringst den Rest Deines Lebens damit, etwas zu verteidigen, dass Du nicht einmal (freiwillig) gewählt hast...?"


Bleibst Du beim Verteidigen... oder beginnst Du zu wollen...?

In Liebe
Dein Prinzerl



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Bild Schopenhauer: Von Ludwig Sigismund Ruhl (1794–1887) - Schopenhauer-Archiv der Stadt- und Universitätsbibliorhek Frankfurt am Main, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=394003